Montag, 29. Februar 2016

Das Opferlamm Gottes

Etwas ganz spannendes für mich sind Filme, in denen die Geschichte unter anderem auch durch kleine Details getragen wird, die einem erst beim mehrmaligen Anschauen auffallen. Einer dieser Filme ist Stolz und Vorurteil von 2005. Hier spielen die kleinsten Gesten eine wichtige Rolle und manchmal denkt man sich, warum es eine Großaufnahme einer bestimmten Geste gab, bis man später den Vergleich bekommt. Plötzlich wird die Veränderung der Einstellung nur durch diese Geste dargestellt. Und genau das passiert in unserem Text von heute. Wir werden uns ein kleines Detail betrachten, dass auf den ersten Blick keinen Sinn macht. Denn erst im Verlauf der Geschichte, die Johannes uns in seinem Evangelium erzählt, merkt man, wie er es benutzt, alles zusammen zu halten.

Lies dafür Johannes 1, 28 und schreibe kurz auf, was wir über den Ort, an dem Johannes tauft, erfahren.






Manche von uns haben schon einmal von einem Ort mit dem Namen Betanien gehört. Und zwar in Verbindung mit Lazarus, Martha und Maria, die dort wohnten. Aber dies ist nicht der gleiche Ort. 

Lies Johannes 11, 1 und 18 und schreibe auf, was wir hier über die Lage von Betanien erfahren.







Dieses bekannte Betanien liegt ganz in der Nähe von Jerusalem, an der Straße nach Jericho. Also nicht auf der Ostseite des Jordans, und ist somit nicht der Ort, an dem Johannes tauft. Die Taufstelle von Johannes dem Täufer wird noch an zwei weiteren Stellen im Johannesevangelium erwähnt,  aber beides Mal nur als “jenseits der Jordans”  (Johannes 3, 26 und Johannes10, 40) Bis heute weiss keiner so genau, wo dieses Betanien (am Jordan) eigentlich liegt. Was zumindest bei mir die Frage aufwirft, warum Johannes hier dem Ort diesen Namen gibt, und nicht wie an den anderen Stellen nur einfach sagt: “jenseits des Jordans”. 

Und auf meiner Suche nach einer Antwort bin ich über folgendes Zitat gestoßen, dass meinen Verdacht, dass diese Namensgebung durch Johannes kein Zufall ist, bestätigt hat. D.A. Carson schreibt in seinem Kommentar etwas sehr interessantes zu diesem Vers (der englische Originaltext mit Quellenangabe steht am Ende des Posts). Wir werden uns dieses Zitat langsam erarbeiten. Denn der Kommentator füllt seine These mit Textstellen, wobei die erste unsere Stelle für heute ist. Damit wir die Tragweite besser verstehen, werden wir jedes Mal eine kleine Pause machen, und uns den Text, auf den sich Carson bezieht, ansehen:

“Es ist gut möglich, dass Johannes hier diese Details benutzt (diese andere Schreibweise für den uns nicht bekannten Ort, was damals üblich war, wenn eine Erzähler einen Punkt machen wollte (Anmerkung von mir, wird im Text von Carson davor erklärt) ): er entscheidet sich für eine bestimmte Art der Rechtschreibung, um hervor zu heben, dass Jesus Dienst sowohl in ‘Betanien’ beginnt als auch dort endet. Zu Betanien, jenseits des Jordans wird Jesus als Lamm Gottes, dass die Sünde der Welt auf sich nimmt, identifiziert (1, 28-29); …”

Alles beginnt hier in Betanien, jenseits des Jordans. Lies nun Johannes 1, 28-34 und beschreibe danach kurz, was wir hier über Jesus durch das Zeugnis von Johannes, den Täufer erfahren. 





Nachdem der Täufer in dem Gespräch mit den Gesandten aus Jerusalem immer wieder den Fokus von sich weg gebracht hatte, bringt er ihn nun auf die Hauptperson, um die es uns alle gehen sollte. Und dies geschieht mit einem kleinen Wort in Vers 29: “Seht” oder “Siehe” ja nach Übersetzung.  Dies ist ein wichtiges Wort für Johannes. In der Elberfelder Übersetzung benutzt  er eins von beiden insgesamt 28 mal, und wenn man noch all die anderen Formen von sehen hinzunimmt, merkt man schnell, dass es Johannes wichtig ist, dass wir etwas sehen.  Das griechische Wort ide, was soviel wie “Siehe!”, “Seht!” oder “Guckt!” bedeutet, benutzt er gleich 13 Mal und 3 davon kommen in Kapitel eins vor. Das erste Mal in unserem Vers und dann auch noch in Vers 36 und 47. Wenn man sich all die Verse ansieht, merkt man schnell, dass es für Johannes eine tiefere Bedeutung hat, als einfach nur etwas wahrzunehmen. Wenn ihr wollt, könnt ihr dieses Wort auch zu eurer Liste von Wörtern aufnehmen. 

Was verstehen wir eigentlich unter dem Wort "sehen". Der Duden listet direkt 11 verschiedene Bedeutungen zu “sehen”. Damit wir dieses kleine Wort nicht mehr so schnell überlesen, lasst uns etwas darüber nachdenken. Schreibt dazu auf, warum die folgenden drei Bedeutungen gerade im Umgang mit Jesus wichtig sein könnten.



1. Aufmerksamkeit, Interesse, Erwartung auf jemanden, auf etwas richten oder gerichtet halten


2. erleben


3. erkennen, erfassen


Was auch immer Johannes  (der Täufer, sowie auch der Evangelist) mit der Aufforderung “Siehe!” gemeint hat, das was kommt ist wichtig, und wir sollten uns das genau “ansehen”.
Denn nach diesem kleinen Wort folgt die erste gewaltige Aussage über Jesus: “das Opferlamm Gottes, das die Sünde der ganzen Welt wegnimmt” (NGÜ). Das ist eine Aussage, die für viele von uns sehr bekannt ist. Aber für die Zuhörer von Johannes dem Täufer war dies sehr schwierig zu verstehen. Deswegen lasst uns diese Aussage einmal im Blick auf das Alte Testament auseinander nehmen. Denn das ist der Hintergrund, den die Menschen damals hatten. 
Da ist zunächst einmal das Opferlamm. Etwas, was die Juden damals wahrscheinlich wesentlich besser verstanden als wir heute - weit weg vom regelmäßigen Opferdienst im Tempel. 

Damit du einmal einen kleinen Einblick in das Opfersystem bekommst, lies einmal nur die Überschriften von 3. Mose 1 - 5 (eine umfangreiche Liste der Opfer), und schreibe auf, welche Opfer du dort begegnest. 






Wenn man den Text ganz liest, kommt dort 5 mal ein Lamm als Opfergabe vor. In einer dieser Stellen geht es um das Sündopfer. Da in der Aussage von Johannes das Opferlamm auch mit Sünde in Verbindung gebracht wird, lasst uns diese Stelle lesen.

Lies nun 3. Mose 4, 32-35. Schreibe danach auf, was für Gedanken dir bei folgenden Abschnitten aus dem Text kommen:

- “als Sündopfer schlachten”


- “All sein Blut soll er an den Fuß des Altars gießen.”


- “So erwirke der Priester Sühnung für ihn wegen seiner Sünde, die er begangen hat, und es wird ihm vergeben werden.”




Ich würde gerne wissen, was ihr so geschrieben habt. Ich habe eine Gänsehaut bekommen: hier wird Tod, Blutvergießen und Vergebung beschrieben. Und auch wenn wir diese Stelle vielleicht zum ersten Mal genauer gelesen haben, war dies ein Ritual, dass jeder Jude kannte. Mit der Erwähnung des Opferlammes war dieses Bild in den Köpfen: Tod und Blutvergießen als Notwendigkeit für die Vergebung. 
So weit so gut, aber nun kommt der Hammer. Denn wer bringt hier das Opferlamm dar?
Warum braucht Gott ein Opferlamm? Derjenige, der gesündigt hat, brachte doch das Opferlamm? Aber Gott hat doch nicht gesündigt, sondern wir. 
Das Einzige, was dem nahe kommt ist die Geschichte in 1. Mose 22. Abraham bekommt  hier den Auftrag von Gott, Isaak, seinen geliebten Sohn, zu opfern. Und auch wenn er es nicht versteht, ist er voll Vertrauen auf Gott.

Lies einmal 1. Mose 22, 8 und schreibe auf, was Abraham Isaak auf die Frage nach dem Opfertier antwortet. 





Laut dem Kommentar zur net.bible ist gerade diese Stelle sehr wichtig als Hintergrund zu dem Titel “Lamm Gottes”. “Im jüdischen Denken wurde dieses Opfer als ein überaus wichtiges angesehen. G. Vermes sagte: “Für den palestinänsichen Juden waren alle Opfer eines Lammes und besonders das Passahlamm oder die Opfer des Tamid (tägliche Opferungen) eine Erinnerung an das Akedah ( - die Geschichte von Abraham, der bereit ist, seinen Sohn Isaak zu opfern (1. Mose 22)), mit den Eigenschaften der Erlösung, Vergebung der Sünden und einer messianischen Rettung.”

Aber das Gott hier das Opfer bringt, ist erst der Anfang von dem, was neu ist. Denn direkt im Anschluss sagt Johannes: “dass die Sünde der ganzen Welt wegnimmt.” Wir wissen schon, dass das Opfer als Sündopfer geschlachtet wird. Aber etwas für die Jude unvorstellbares ist die Behauptung, dass durch dieses Opfer die Sünde der ganzen Welt tilgt. Das gab es noch nie. Auf jedes Opfer musste ein Neues folgen. Nie reichte ein Opfer für das Leben eines einzelnen Menschen, ganz zu schweigen von ganz Israel. Aber hier behauptet Johannes, dass mit diesem Opfer alle Sünden der GANZEN Welt weggenommen werden. Wir haben dies wahrscheinlich schon so oft gehört, dass wir schnell denken, ist doch klar. Aber für die Zuhörer von Johannes dem Täufer ist dies unvorstellbar. 

Lies Hebräer 10, 1-18. Diese Stelle fast sehr gut zusammen, was durch den Tod Jesus anders ist im Gegensatz zu den Opferungen im AT. Schreibe kurz auf, was dir heute ganz neu an dieser Stelle aufgefallen ist.







Insgesamt ist dieser eine Vers, den wir uns nun unter die Lupe genommen haben, wie eine sehr komprimierte Zusammenfassung von der Botschaft des Täufers. Dies ist auf den Punkt gebracht, die Person, auf die er hinweist. Und für mich benutzt Johannes, der Evangelist dies  als Zusammenfassung für sein Evangelium. Diese Aussage wird er durch den Rest seines Berichtes über Jesus untermauer und genauer erklären. Er möchte den Leser aber schon einmal darauf vorbereiten, dass vieles anderes ist, als es zunächst den Anschein macht. Und wir brauchen uns keine Sorgen machen, wenn wir vieles noch nicht verstehen. Oder alles so viel auf einmal ist. Es soll uns neugierig machen. Fragen aufwerfen, die wir beim Weiterlesen in Hinterkopf haben sollten.

Nach dieser, nicht so einfach zu verstehenden Einleitung, wird es doch einfacher. In den nächsten Versen wiederholt Johannes der Täufer noch einmal, wer er ist, und warum er gekommen ist. Mit seinen Worten aus Vers 31, ist er gekommen, “weil Israel erkennen soll, wer er (Jesus) ist.” Und da Jesus gerade zu seiner eignen Taufe auftaucht, die Johannes in seinem Evangelium nicht beschreibt, ist die Aufgabe des Täufers fast am Ende. Nur eins bleibt noch. Allen unmissverständlich zu erklären, warum Jesus der ist, auf den er immer wieder hingewiesen hat. Und dies geschieht mit den Versen 31 - 34. 

Lies diese Verse noch einmal, und schreibe mit eigenen Worten auf, warum Johannes, der auch nicht den Menschen kannte, auf den er hinweisen sollte (Verse 31 und 32), nun fest davon überzeugt ist, dass es Jesus ist. 






Und wieder sind wir dabei, dass es hier um einen Augenzeugenbericht geht. Johannes erzählt hier seine eigne Geschichte. Was er von Gott erfahren hat, und was er gerade mit eignen Augen gesehen hat. Und somit stellt er die Zuhörer vor die Entscheidung, was sie mit dem Gehörten machen sollen. Glauben sie Johannes und seinem Zeugnis, oder nicht? Es geht nicht darum, ob Johannes die besten Argumente dafür hat, warum jetzt gerade Jesus, der Messias ist, sondern er erzählt, was er erlebt hat. Und entweder glauben die Leute ihm, und dass er vertrauenswürdig  ist, und damit auch seine Botschaft, oder nicht. Und das bedeutet es, Zeuge zu sein. Wir erzählen Geschichten aus unserem Leben, das, was wir mit Gott erlebt haben. Wie wir ihn persönlich erfahren haben. Wir lassen Gott durch unser Leben sprechen. Und dann ist es an den anderen, zu entscheiden, ob er uns glauben kann oder nicht. Und so hängt viel davon ab, ob unser Leben, ob unsere Handlungen mit dem übereinstimmen, was wir erzählen. Zeuge zu sein, ist mehr als eine Botschaft weiterzugeben. Man lebt es. Für Johannes den Täufer war seine Botschaft nicht nur leere Worte, er hat es gelebt.

Nimm dir kurz Zeit, mit Gott darüber zu reden, ob es Bereich gibt, wo unser Leben nicht mit unserer Botschaft übereinstimmen. 






All dies geschieht am Anfang von Jesus öffentliche Dienstes. Gehen wir nun mal in unserem Zitat ein Stück weiter. Um den Anschluss zu bekommen, beginnt das Zitat noch mal am Anfang.

 “Es ist gut möglich, dass Johannes hier diese Details benutzt (diese andere Schreibweise für den Ort, was damals üblich war, wenn eine Erzähler einen Punkt machen wollte (Anmerkung von mir, wird im Text von Carson davor erklärt) ): er entscheidet sich für eine bestimmte Art der Rechtschreibung, um hervor zu heben, dass Jesus Dienst sowohl in ‘Betanien’ beginnt als auch dort endet. Zu Betanien, jenseits des Jordans wird Jesus als Lamm Gottes, dass die Sünde der Welt auf sich nimmt, identifiziert (1, 28-29);am Ende seines öffentlichen Dienstes, zieht er sich an den gleichen Ort zurück und das Zeugnis von dem Täufer wird wiederholt (10, 39-40).”

Nachdem wir uns das nun die ganze Zeit über angesehen haben, liest einmal diese Zusammenfassung, über Johannes (der Täufer) Leben und Dienst in Johanne 10, 39-40 und schreibe kurz auf, was du über dieses Zeugnis denkst.



Ist das nicht eine großartige Zusammenfassung. Ich wünschte mir, dass man das am Ende auch über mein Leben sagen könnte: Stephi hat zwar keine Wunder vollbracht, aber das was sie sagte, war wahr. Sie hat uns wirklich die Wahrheit erzählt. Und das tolle ist, wenn wir die Botschaft von Jesus weitergeben und wir diese auch ausleben, dann wird dies auch auf uns zutreffen, denn Jesus ist die Wahrheit.


 “Dann, gleich im nächsten Kapitel, vollführt Jesus sein letztes und größtes ‘Zeichen’ bevor dem Kreuz, die Auferstehung des Lazarus - in Betanien in der Nähe von Jerusalem (Johannes 11).Das Ergebnis ist die Ankündigung, dass Jesus als ein Opfer für das Volk sterben muss (11, 45-53) - wirklich das versprochene Lamm Gottes. Was als ein öffentlicher Dienst im Norden beginnt, endet mit einer öffentlichen Kreuzigung im Süden. Judäa, Samarien, Galiläa und nun auch Transjordanien (zu dem Batania (der wirkliche Name von “Betanien”, Anmerkung durch mich, wird vor dem Zitat erörtert) gehörte), alle Teile des versprochenen Landes, werden erwähnt. Denn Jesus war nicht nur ein regionaler Messias, ein Provinzprediger, sondern das wahre Israel. Als der subtile Schreiber, der er ist, greift Johannes geographische Notiz in diesem Vers Hauptthemen in seinem Evangelium auf und verbindet sie.”   

Lass uns nun zum Abschuss noch diese letzte Stelle lesen. Sie steht in Johannes 11, 45 -53. Wenn du Zeit hast, lies ruhig das ganze Kapitel. Schreibt beim Lesen eure Gedanken auf.




Als ich dieses Zitat und die angegeben Stellen zum ersten Mal gelesen habe, ist es mir kalt über den Rücken gelaufen. Johannes (der Evangelist) fängt die Beschreibung von Jesus Dienst mit den Worten “Seht, hier ist das Opferlamm Gottes, das die Sünder der ganzen Welt wegnimmt.”(Johannes 1, 29) und endet mit dem Beschluss des jüdischen Volkes, Jesus zu töten, damit nicht das ganze Volk streben muss. Und alles, was wir uns von nun an ansehen werden, müssen wir in diesem Licht betrachten. Jesus - Gottes Opferlamm - starb für uns. Und diese Botschaft sollen wir ausleben, als ein Zeugnis für die Menschen um uns herum. 



Original der Zitates: D.A. Carson, The Gospel according to John, 1991, Seite 147
“It may well be that John uses these details to make a point: he opts for a particular spelling to point out that Jesus’ ministry begins and ends at ‘Bethany’. At Bethany on the other side of the Jordan Jesus is identified by the Baptist as the Lamb of God who takes away the sin of the world (1:28-29); at the end of his public ministry, he retreats to the same place, and the witness of the Baptist is reviewed (10:39-40). Then in the very next chapter, Jesus preforms his last and greatest ‘sign’ before the cross, the raising of Lazarus - at Bethany near Jerusalem (Jn 11). The result is the announcement of the need for Jesus to die as a sacrifice for the people (11:45-53) - the promised Lamb of God indeed. What begins as public witness in the North ends in public crucifixion in the South. Judea, Samaria, Galilee, and now the Transjordan (of which Batanea  was a part), all the regions of the promised land, are mentioned. For Jesus was not a regional Messiah, a parochial preacher, but the true Israel. Subtle writer that he is, John’s geographical note in this verse anticipates and links major themes in his gospel.”

Freitag, 2. Januar 2015

Wer bin ich ?

“In welcher Weise Johannes auf ihn hinwies, macht folgende Begebenheit deutlich...“ (NGÜ, Johannes 1,19)

Die nächsten Abschnitte im Johannesevangelium werden sich alle irgendwie um das Thema “Zeuge sein” drehen. Wir haben uns ja schon in der Einleitung zusammen angesehen, was Johannes mit “Zeuge sein” meint.  Und nun kommen wir zu den  Berichten, die uns praktisch zeigen, wie dies aussehen könnte. Zuerst betrachten wir uns dazu Johannes den Täufer. Sein Leben und Wirken ist ein ganz guter Startpunkt, da es sein Auftrag war, ein Zeuge für Jesus zu sein.

Als kurze Erinnerung daran, schreibe kurz Johannes 1, 8 auf. (Eine kleine Notiz: Ihr werdet merken, dass ich euch immer mehr dazu auffordern werde, Verse aufzuschreiben anstatt sie einfach zu lesen. Ich mache das nicht, weil mir Ideen für Fragen ausgehen, sondern weil ich selbst in den letzten Monaten gemerkt habe, was für einen Unterschied es macht, wenn man etwas nicht nur liest, sondern es niederschreibt - man liest genauer und meditiert automatisch ein bisschen über den Vers oder die Stelle. Probiert es selbst einmal aus.)





Dieser Vers macht deutlich, dass Johannes Zeugnis zwei Aspekte hatte. Zum einen war er nicht das Licht, und stellte dies unmissverständlich fest. Und zum anderen wies er auf das Licht hin. Und nach seiner Einleitung beschreibt Johannes (der Schreiber des Evangeliums) diese beiden Aspekte anhand von zwei Begebenheiten. Und wir werden uns heute einen davon genauer ansehen.

Als Einleitung zu unserem heutigen Abschnitt noch eine kurze Frage: Wenn dich jemand fragen würde: “Wer bist du?”, was würdest du mir antworten? Und nachdem du eine Antwort aufgeschrieben hast, lies Johannes 1, 19 - 28.







Wahrscheinlich hast du meine Frage nicht damit beantwortet, indem du erstmal erklärt hast, wer du nicht bist. Aber genau das tut Johannes der Täufer hier. Denn in diesen Versen weisst er auf Jesus hin, indem er klar stellt, wer er (Johannes der Täufer) nicht ist. Aber bevor wir uns damit beschäftigen, warum dies so wichtig ist, sehen wir uns dieses Gespräch erst einmal genauer an.

Zwischen welchen Personen spielt sich das Gespräch ab?




Anders ausgedrückt waren dies die offiziellen Abgesandten der religiösen, jüdischen Führungsschicht, die geschickt worden waren, um herauszufinden, was sich dort am Jordan abspielte. Die religiösen Anführer in Jerusalem hatten Berichte erhalten, dass dort jemand predigt und die Leute tauft. Und dies anscheinenden mit immer größerem Erfolg. Und nun mussten sie unbedingt wissen, mit wem sie es zu tun hatten. Wahrscheinlich damit sie dann entscheiden konnten, wie und ob sie reagieren müssen. Und dazu schickten sie diese Gruppe von Jerusalem zum Jordan. Aber anstatt ihre Frage zu beantworten, erzählt Johannes der Täufer ihnen erstmal, wer er nicht ist: Er ist nicht der Messias. Und im Verlauf des Gespräches verneint er auch noch, dass er Elia oder “der Prophet” ist. Lasst uns nun diese drei Personen genauer ansehen, damit wir besser verstehen können, warum gerade dieser drei Personen in Frage kamen.

Messias/Christus:

“Und er bekannte, und er leugnete nicht, und er bekannte: “Ich bin nicht der Messias!”” (Vers 20)

“»Messias« ist das hebräische Wort für »Christus«. (Johannes 1, 41)

Johannes macht uns ganz deutlich, dass Johannes der Täufer niemals auch nur den Anschein gegeben hat, dass er der Messias sein kann. Das dreimalige Wiederholen in Vers 20 zeigt uns ganz deutlich, dass niemand in Johannes Nähe sein konnte, ohne mit zu bekommen, dass er selbst fest davon überzeugt ist, dass der nicht der Messias ist. Die Juden warteten nun schon so lange auf den versprochenen Retter, den Messias, dass sie wahrscheinlich jedes Mal, wenn jemand auftrat, der auch nur den Anschein erweckte, dass er es sein könnte, hofften, dass er es auch sei. Ich bin gerade dabei ein Geschichtsbuch über die  Zeit von Jesus und von der ersten christlichen Gemeinde zu lesen. Und ein Abschnitt beschäftigt sich gerade mit der Frage, wie sehr die Suche und das Warten auf den Messias, den Nachkommen Davids, wirklich etwas Präsentes für die Menschen zur Zeit Jesus war. Und man hat Gebete und Lieder gefunden, in denen die Menschen Gott darum bitten, dass er doch endlich den Messias schickt. 
Wie zum Beispiel in den “Psalmen der Salomos”, die im 1. Jahrhundert vor Christus geschrieben wurden: 
“Sieh, oh Herr, und erhebe für sie ihren König, den Sohn Davids … 
Und gürte ihn mit Kraft, so dass er die ungerechten Herrscher zerschlagen kann … 
Mit einem Stab aus Eisen soll er alles Wesentliche von ihnen in Stücke brechen … 
Und es soll in seinen Tage keine Ungerechtigkeit in ihrer Mitte sein, 
Denn alle sollen heilig und ihr König soll sein, der Gesalbte (= der Messias) des Herrn.” (Psalm von Salomon 17, 21+32) (Hervorhebung durch mich)

(“Behold, O Lord, and raise up for them their king, the son of David … And wird him with strengt, that he may shatter unrighteous rulers … With a rod of iron he shall break in pieces all their substance … And there shall be no unrighteousness in his days in their midst, For all shall be holy and their king, the annointed (= the messiah) of the Lord.” , Paul Barnett, Jesus & the Rise of Early Christianity, 1999, Seite 39) 

Und auch in den “Achtzehn Segnungen”, die für den Gebrauch in den Synagogen zur Zeit von Jesus geschrieben worden waren, steht: 
“Sei gnädig, Oh Herr, unser Gott, gemäß deiner großen Güte gegenüber Israel, 
deinem Volk, und Jerusalem, deiner Stadt, 
und gegenüber Zion, der Wohnstätte deiner Herrlichkeit; 
und gegenüber deinem Tempel und deinem Wohnsitz; 
und gegenüber dem Königreiches des Hauses Davids, 
deinem gerechten Messias, gesegnet seist du, oh Herr, 
Gott Davids, Erbauer von Jerusalem. 
(Palästinische Manuskripte)  

Lass den Zweig Davids schnell hervorspringen, 
und erhöhe sein Horn durch deine Rettung. 
[Denn wir erwarten deine Rettung (stets)] 
Gesegnet seist du, oh Herr, der Rettung hervorbringt. 
(Babylonische Manuskripte)”(Hervorhebung durch mich) 

(“Be gracious, O Lord, our God, according to your great mercies to Israel thy people, and Jerusalem thy city, And Zion, residence of thy glory; and to thy Temple and dwelling place; And to the kingdom of the house of David, thy righteous Messiah, Blessed art thou, O Lord, God of David, Builder of Jerusalem. (Palestinian rescension) Make the branch of David soon spring forth, And let his horn be exalted by thy salvation. [For we await thy salvation (always).] Blessed art thou, O Lord, who makes salvation spring forth. (Babylonian rescension)”,Paul Barnett, Jesus & the Rise of Early Christianity, 1999, Seite 40)

Da so viele auf diesen Messias warteten und sich danach sehnten, dass Gott endlich seine Versprechen wahr machen würde, wollten die führenden Juden nun genau wissen, ob Johannes der Täufer dieser versprochene Messias sein könnte. Und dieser wusste eine Antwort auf diese Frage, für die er auch nicht lange überlegen musste: “Ich bin NICHT der Messias!” Und dies betonte er jedes Mall, denn er kannte wahrscheinlich die Menschen, die zu ihm kamen, und die liebend gerne ihn zum Messias gemacht hätten, einfach nur, damit das Warten ein Ende hat. Somit ist dies sofort seine erste Antwort auf die Frage: “Wer bist du?”. Was man dann auch umschreiben kann: “Ich bin nicht der, nach dem ihr sucht, oder nach dem ihr suchen solltet.”


Aber diese Antwort war den Abgesandten nicht genug. Anscheinend war das Auftreten von Johannes dem Täufer so gewaltig, dass sie wusste, dies kann kein gewöhnlicher Mensch sein. Etwas ist besonders an ihm. Und deshalb fragen sie nun direkt nach zwei anderen Personen, die für uns etwas unverständlicher sind. Die erste Person, die wir uns zusammen ansehen werden, ist “der Prophet”, auch wenn die Abgesandten erst nach Elia fragen. 


der Prophet

“ “Bist du der Prophet, ‘der kommen soll’?” - “Nein”, erwiderte er.” (NGÜ, Vers 21)


Um herauszufinden, worauf sich diese Frage bezieht, müssen wir an den Anfang der Bibel zurückkehren. Denn dieser besagte Prophet wird im fünften Buch Mose zum ersten Mal erwähnt. 

Lies dafür 5. Mose 18, 15-19 und schreibe auf, was du dort über diesen Propheten lernst. 




Gott verspricht hier Mose und dem Volk Israel, dass mit dem Tod von Moses nicht alles vorbei sein wird. Ja, es stimmt, das Volk  wird bald seinen größten Propheten verlieren. Einen Menschen, der Gott gesehen hat, der für das Volk mit Gott geredet und dem Gott soviel gezeigt hat. Gott hat durch Moses seinem Volk gezeigt, wer er ist, und wer sie sind  - und damit auch wer wir sind. Moses war der Vermittler zwischen dem Volk und Gott. Und nun sollte er bald sterben, und damit eine riesige Lücke hinterlassen. Denn wer sollte nun diese Rolle einnehmen? Und deshalb verspricht Gott hier, dass er noch einen Propheten schicken wird, der das Volk leiten und ihnen Richtung geben wird, und der ihnen so wie Mose all das mitteilen wird, was Gott ihm aufgetragen hat. 

Und auch diese Beschreibung passt nicht zu Johannes dem Täufer. Er ist es nicht, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis das Volk anfängt zu sehen, wer dieser Prophet sein könnte. 

Lies dazu Johannes 6, 14 und Johannes 7, 40 (Wenn du willst, kannst du auch jeweils die Verse davor lesen.) und schreibe auf, was wir hier über den Propheten lernen.




Von wem wird in diesen Versen gesagt, dass er der Prophet ist - Jesus. Und nun haben wir wieder einmal Moses und Jesus nebeneinander. Und Johannes hat die beiden schon in seiner Einleitung miteinander verglichen:

“Denn durch Mose wurde uns das Gesetz gegeben, aber durch Jesus Christus sind die Gnade und die Wahrheit zu uns gekommen.” (Johannes 1,17; NGÜ)

Die Leute werden bald sehen, dass dieses Versprechen, dass Gott Mose und seinem Volk vor so langer Zeit gegeben hat, nun endlich in Erfüllung geht. Nun wird Gott sein Werk, dass er damals mit Mose und dem Geschenk der Gebote angefangen hat, durch Jesus beenden. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich staune immer wieder darüber, wie Gott von Anfang an einen Plan hatte, und wir Schritt für Schritt sehen können, wie er ihn auch ausführt. Schritt eins war all das, was er durch Moses offenbart hat. Und Schritt zwei ist nun das, was wir durch Jesus lernen. 

Lies Offenbarung 15, 2 -4 und schreibe auf, wessen Lied die “Überwinder über das Tier” singen, und fasse kurz in deinen eigenen Worte diese Lied zusammen.





Sowohl das, was Mose mit Gott erlebt hat, als auch das Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus stimmen ein Loblied auf die Gerechtigkeit Gottes an. Durch das, was wir durch Moses gelernt haben, durch das, was wir durch Jesus gelernt haben und noch lernen, und durch das, was wir durch die Vollendung von Gottes Pläne lernen werden, werden wir - und dann auch alle anderen - erkennen, wie großartig Gottes Pläne sind. So großartig, dass alle ihn dafür verherrlichen sollten und es auch eines Tages werden. Ein Stückweit können wir dies mehr und mehr lernen, wenn wir uns mit seinem Wort beschäftigen. Jede neue Entdeckung, jedes Mal, wenn ich etwas Neues lerne, bringt mich dazu, über Gottes wunderbare Art, alles nach seinem Willen zu lenken, zu staunen und ihn dafür zu loben  und  an zu beten. Und ist das keine tolle Motivation, mehr sein Wort zu studieren?


Wenn wir nun all das, was wir über den Propheten gelernt haben, zusammennehmen, merken wir, dass die Frage, wer der Prophet ist, eigentlich die Frage nach dem Messias ist. Und damit sind die Abgesandten auch mit dieser Frage bei Johannes dem Täufer falsch. Damit bleibt noch eine Person übrig, nach dem die Abgesandten fragen können:




Elia:

»Wer bist du dann?«, wollten sie wissen. »Bist du Elia?« – »Nein«, antwortete er, »der bin ich nicht.« (NGÜ, Vers 21)

Warum denken die Abgesandten überhaupt, dass Johannes Elia sein könnte? War er nicht einer der Propheten, der vor sehr langer Zeit in Israel wirkte? 

Um einer Antwort darauf näher zu kommen, lies bitte 2. Könige 2, 1-13 und Maleachi 3, 22 -24 . Dann schreibe kurz auf, was du aus diesen Stellen über Elia lernst.




Wenn wir uns nun noch etwas tiefer mit der Frage nach Elia beschäftigen, wird es sehr schnell interessant. Erinnere dich daran, dass Johannes der Täufer hier ganz klar sagt, dass er nicht Elia ist. 

Lies nun Matthäus 11, 7 - 15 und Matthäus 17, 9 -13. Schreibe kurz auf, was Jesus hier zu dieser Frage sagt. Und wenn du möchtest kannst du auch noch in Lukas 1, 13-17 die Prophezeiung zu Johannes dem Täufer lesen, die sein Vater vor seiner Geburt bekommen hat. 




Ich finde dies sehr interessant. Vor der Geburt von Johannes dem Täufer wurde vom Engel vorhergesagt, dass der Geist des Elias auf ihm ruhen wird (siehe Lukas 1, 13 - 17). Und auch bei Jesus ist es ziemlich klar, dass er denkt, dass Johannes der Täufer Elia ist. Warum verneint er selbst es dann?
Je nachdem wie man sich diese Frage ansieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass beide Recht haben. Johannes der Täufer ist nicht Elia, der Mensch, der mit einem Feuerwagen in den Himmel gefahren ist. Somit hat er Recht, wenn er sagt: Ich bin nicht Elia. Aber dann gibt es noch den “Elia”, der kommen soll, und ich denke die Beschreibung aus der Prophezeiung passt dort sehr gut: “Erfüllt mit dem Geist und der Kraft des Elia, wird er vor dem Herrn hergehen.” (NGÜ, Lukas 1, 17) Johannes ist also dem Geiste nach Elia und somit hat Jesus Recht, wenn er sagt, dass Johannes der Täufer Elia ist. Und hier haben wir eine der Doppelbedeutungen, mit denen Johannes (der Evangelist) so gerne spielt. Johannes der Täufer ist und ist nicht Elia. Aber eine Antwort auf die Frage, warum er selbst verneint, Elia zu sein, können wir im Laufe des Gespräches erahnen.


Aber bevor wir uns den Text weiter nach einer Antwort darauf ansehen, schreibe kurz deine eigenen Gedanken dazu auf, was Johannes den Täufer dazu bewogen haben könnte, zu sagen, dass er nicht Elia ist.




Nachdem wir uns nun damit beschäftigt haben, wer Johannes der Täufer nicht ist, kommen wir nun in Vers 23 zum Wendepunkt in unserer heutigen Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt sind die Abgesandten wahrscheinlich schon  verzweifelt. Denn dieses Mal klingt die Frage eher bettelnd. Sie können doch nicht mit leeren Händen nach Jerusalem zurückkehren. Kann er ihnen nicht endlich eine Antwort geben? Und dann endlich sagt uns Johannes, wer er seiner Meinung nach ist. Er ist eine Stimme. Und nicht nur irgendeine. Er ist eine Stimme mit einer Botschaft. 

Und das ist es, wie sich Johannes der Täufer selbst sieht. Es ist ihm egal, wer er als Person ist. Viel wichtiger ist ihm sein Auftrag. Er kennt diesen, und auch seine Stellung und seinen Ruf von Gott. Und dies wird auch in den folgenden Versen deutlich. Ein kleiner Teil der Abgesandten ist auch nach dieser Antwort immer noch nicht ganz zufrieden. Sie haben noch ein Problem - die Frage nach der Autorität der Taufe. Denn woher nimmt eine “Stimme” die Autorität, Leute als Zeichen ihrer Umkehrt zu taufen (siehe Matthäus 3, 11).


Und wieder lenkt Johannes der Täufer schnell von sich ab. “In der Tat erwiderte Johannes, ja, ich taufe wirklich, und ich habe die Autorität dazu von Gott;aber ich bin nichts im Vergleich mit dem, von dem ich zeuge. Er ist der, der nach mir kommt wird, dessen Sandalen aufzubinden, ich nicht würdig bin.” (“Yes, John replies in effect, I do indeed baptize, I have  authority from God to do so; but I am nothing compared with the one to whom I bear witness. He is the one who comes after me, the thongs of whose sandals I am not worthy to untie.”, D.A. Carson, The Gospel according to John, 1991, Seite 146).
Johannes weiss, warum und wofür er die Menschen tauft. Er will sie auf das vorbereiten, was bzw. wer bald kommen wird. Und damit kommen wir dann zu dem zweiten Teil seines Zeugnisses: auf Jesus, das Licht der Welt, hinzuweisen. In unserer Geschichte von heute, gibt uns Johannes der Täufer schon einmal einen Hinweis auf diese Person: Diese Person ist viel, viel wichtiger für euch als ich. Und wenn ihr schon denkt, dass es wichtig ist, meiner Botschaft zu zu hören, und danach zu handeln, dann solltet ihr das viel mehr mit dem tun, was dieser Mann euch zu sagen hat. Denn nur er ist wichtig, nicht ich. Und das ist mehr oder weniger Johannes Antwort an die Abgesandten: “Ich bin nicht wichtig, ihr solltet euch lieber fragen, wer dieser andere ist, der bald kommen wird. Und ob ihr bereit seit, ihm zu begegnen.”

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber wenn ich darüber nachdenke, wie es in meinem Leben so aussieht, muss ich doch immer wieder eingestehen, dass dies nicht meine Einstellung ist. Ich bin immer wieder überrascht zu sehen, wie wichtig es mir ist, was die Leute um mich herum über mich denken. Haben meine Gedanken, die ich weiter gegeben habe, Sinn gemacht, oder denken alle, dass ich das völlig falsch angegangen bin? Oder ähnliches. Aber selten frage ich mich Fragen wie: Habe ich es geschafft, den Menschen in meiner Umgebung Jesus näher zu bringen? Habe ich deutlich gemacht, dass es nicht darum geht, wer ich für sie bin, sondern wer Jesus für sie ist? Und wahrscheinlich fordert mich deshalb dieser Kommentar von Tom Wright zu unserem heutigen Text immer aufs Neue heraus: “Wir Prediger sind dazu aufgerufen, die gleiche Einstellung zu haben wie Johannes. Wir predigen nicht uns selbst, wie Paulus es sagt, sondern Jesus Christus, den Herr, und uns als eure Diener um seinetwillen (2. Korinther 4,5). Oder wie Johannes es sagt, ‘Ich bin nur eine Stimme’. Und da sehen wir seine Demut, und seine wahre Größe.” (“We preachers are called to the same attitude that John had. We don’t preach ourselves, as Paul said, But Jesus Christ as Lord, and ourselves as your servants for his  sake (2 Cor. 4:5). Or as John put it, ‘I’m only a voice’. There is his humility, and his true greatness.”, Tom Wright, John for Everyone, Seite 9 )

Wann warst du das letzte Mal mehr darauf bedacht, wie DU bei den Menschen ankamst, als du von Jesus erzählt hast, als darauf, sicher zu gehen, dass die anderen mehr von Jesus sehen oder lernen?




Wenn ich auch nur einen Moment lang darüber nachdenke, was meine Botschaft ist, und wen ich den Leuten nahe bringen will, dann rückt meine eigne Person schnell in den Hintergrund. Umso größer Jesus in meinem Leben wird, umso mehr ich verstehe, wer er ist, und was er für mich getan hat, umso kleiner und unwichtiger werde ich. Und eine Bibelstelle, die uns dabei helfen kann, ist die Stelle aus Jesaja, aus dem Johannes die Aussage nimmt, wer er ist.

Wir haben also heute gelernt, dass ein wichtiger Teil des “Zeugen sein”, darin besteht, zu wissen, warum wir Zeuge sind. Nicht damit wir gut bei den Menschen ankommen, oder sie uns mögen, sondern um sie Jesus näher zu bringen. Wir sollten uns mehr um Jesus und seine Botschaft an uns beschäftigen und uns darauf konzentrieren. 

Lies deshalb als Abschluss die ganze Stelle in Jesaja 40, 1-31. Und schreibe einmal auf, was dir dieses Mal an der Botschaft, die Gott für uns Menschen hat, am meisten angesprochen hat, und was du den Menschen in deiner Umgebung als “Stimme” weitersagen kannst.

Samstag, 21. Juni 2014

Was für ein Mensch, was für ein Gott, Jesus!

Heute kommen wir nun zu den letzten fünf Versen des Prologs und lassen damit diesen doch so anderen Teil hinter uns. Vieles wurde nicht angesprochen, aber macht euch keine Sorgen, wir werden im Laufe unser Reise immer wieder mal auf diese Verse zurückkommen. Denn sie sind unser Wegweiser durch das gesamte Evangelium und bieten uns auch eine tolle Zusammenfassung. Nun sollten wir uns aber unseren heutigen Versen zuwenden, denn wir haben noch viel mit ihnen vor. Lest dafür ruhig noch einmal die ganzen achtzehn Verse - wenn es geht ruhig auch mal laut. Dann sieh dir noch einmal die Verse 14  bis 18 genauer an.

Und wir sind wieder beim “Wort”. Wie wir schon bei unserer ersten Betrachtung gelernt haben, sprengt Johannes spätestens mit diesem Vers das Konzept seiner gesamten Zuhörerschaft, egal was sie bis jetzt mit dem Begriff “Wort” verbunden hatten. Auch haben wir letztes Mal schon viel von dem Licht und Gottes Selbstoffenbarung an uns Menschen geredet, so dass ich nicht viel dazu sagen will. Aber damit wir uns noch einmal bewusst machen, was mit der Geburt Jesu passiert ist, möchte ich euch noch ein Zitat von D.A. Carson zu diesem Vers zum Nachdenken mit auf den Weg geben: “Gott entschied sich dazu, sich endgültig und zum letzten Mal in einem realen, historischen Mann erkennen zu geben: ‘als “das Wort Fleisch wurde”  wurde Gott Mensch’.” (God chose to make himself known, finally and ultimately, in a real, historical man: ‘when “the Word became flesh”, God became man’.” D.A. Carson, The Gospel according to John, 1991, Seite 127)
Aber bevor wir zu den neuen Hinweisen in diesen Versen kommen, möchte ich noch auf etwas interessantes hinweisen, was ich über Vers 14 gelernt habe. Das Wort, das wir im Deutschen mit “wohnte unter uns” (Elberfelder) oder “lebte unter uns” (NGÜ) übersetzten, heißt wörtlich “zeltete” und hat einen starken Bezug zu dem Konzept der Stiftshütte. 

Lies nun einmal 2. Mose 25, 8 und schreibe auf, was Gott dort über die Stiftshütte sagt. 





Gott hatte sich im Alten Testament dazu entschlossen, in der Stiftshütte und später im Tempel unter seinem Volk zu wohnen. Aber mit der Geburt Jesu entschied er sich “in einer noch persönlicheren Weise mitten unter seinem Volk zu wohnen - durch das Fleisch-gewordene-Wort.” (" to dwell amongst his people in a yet more personal way, in the Word-become-flesh " D.A. Carson, The Gospel according to John, 1991, Seite 127)



Denke nun einmal über diese beiden abschließenden Gedanken zu der Menschwerdung Gottes nach, die durch diese Zitate von D.A. Carson angesprochen wurden. Schreibe kurz auf, was du Neues durch sie gelernt hast. Oder was dich noch einmal ganz neu über dieses Wunder, dieses Geschenk in Ehrfurcht versetzt hat. 





Wenn ich nur lang genug über all das nachdenke, dann kann ich nicht anders, als jedes Mal Gott aufs Neue für sein unverdientes Geschenk an mich zu danken. Machen wir aber nun einen Sprung zu Vers 15. In einigen, besonders englischen Übersetzungen, wird dieser Vers in Klammern gesetzt. In der Elberfelder Übersetzung wird er durch Bindestriche vom Rest des Textes abgetrennt. Dies geschieht, weil dieser Vers wie ein Einschub klingt, was daher kommt, dass Vers 16 sich direkt auf Vers 14 bezieht. In der Elberfelder fängt Vers 16 mit “denn” an, und damit es auch ganz klar ist, worauf sich dieses “denn” bezieht, wird Vers 15 sichtbar abgetrennt. 

Wenn nun Vers 14 und Vers 16 so aneinander gebunden sind, was denkst du dann, warum Johannes Vers 15 genau in ihre Mitte platziert hat?  Warum nicht davor oder danach? Bis jetzt klang der ganze Prolog ja sehr durchdacht. Schreibe kurz auf, was dir dazu einfällt.



Ich muss selbst gestehen, dass ich diesen Vers oft einfach überlesen habe. So nach dem Motto: Ja, ja, das hatten wir doch gerade schon. Ich brauchte auch jemand anderes, der mich dazu brachte, über diesen Vers noch einmal genauer nachzudenken. D.A. Carson schreibt etwas sehr interessantes über diesen Vers, was zeigt, wieso er nicht fehl am Platze ist: “Und durch das Platzieren der Zusammenfassung von dem Zeugnis des Täufers, identifiziert der Evangelist durch eine Vorwegnahme Jesus mit dem Fleisch-gewordenen-Wort.” (" the Evangelist by anticipation is identifying Jesus with the Word-made-flesh " D.A. Carson, The Gospel according to John, 1991, Seite 131) Mit anderen Worten - der Gott, der Mensch wurde, bekommt einen Namen, auch wenn wir ihn noch nicht gelesen haben. Denn diese Geschichte lesen wir erst in den nächsten Versen von Kapitel eins. 

Insgesamt hat Johannes nun mit Vers 15 das zweite Mal seine sehr poetische Beschreibung von Jesus und seinem Kommen als Mensch durch einen “Einschub” von dem Zeugnis von Johannes dem Täufer unterbrochen. Und dies hat für mich einen zweifachen Effekt. Erstens bereitet er den Leser schon einmal auf den Rest des 1. Kapitels vor, so dass die nächsten Geschichten beim Lesen kein totaler Bruch von dem Prolog sind. Denn der Prolog dreht sich hauptsächlich um Jesus, aber dann fängt der Rest des Evangeliums mit Johannes dem Täufer an. Also springt Johannes in Vers 19 von Jesus zurück auf die Ereignisse vor Jesu öffentlichem Dienst. Und deshalb denke ich, er hat uns durch diese Einschübe schon in der Einleitung drauf vorbereitet, dass Johannes der Täufer wichtig ist, und dass er den Anfang der Geschichte über Jesu Wirken bildet.
Aber dies ist nur die eine Seite, denn die andere ist die, die ich schon durch das Zitat von D.A. Carson angesprochen haben. Durch die insgesamt 4 Verse, die Johannes in dieser Einleitung Johannes dem Täufer widmet, bekommt diese Einleitung einen sehr realen Charakter. Es ist nicht nur der Anfang einer tollen Geschichte, oder einer philosophischen Abhandlung, auch wenn die anderen Verse schnell diesen Eindruck geben können. Nein, wir reden hier über geschichtliche Ereignisse. Wir reden bzw. lesen über einen realen Mann, der neben seiner menschlichen Seite auch eine göttliche hatte. 

Und somit bringt uns dieser Vers, der beim Lesen doch so falsch platziert vorkommt, dazu, zu stoppen und nachzudenken. Besonders, wenn wir uns Zeit beim Lesen nehmen und wir ihn nicht einfach überlesen. Und das ist etwas, was meiner Meinung nach Johannes mit seinem Evangelium beabsichtigt. Man kann es sehr einfach lesen, aber wenn man genau hinschaut, kann man auch stundenlang darüber nachdenken. Und das macht dieses Evangelium so interessant für mich - hoffentlich auch für dich! Es ist fast wie eine Schnitzeljagd, und wir werden sehen, ob wir all die kleinen Hinweise auf Größeres oder eine tiefere Bedeutung eines Textes entdecken werden. Und nur schon mal als Hinweis für das restliche Evangelium: oft täuscht der erste Anschein. Wir haben das schon mit seinem “das Wort wurde Fleisch” gesehen, dass das jüdische und auch das griechische Konzept hinter “Wort” völlig über den Haufen warf. Und wir werden noch öfters sehen, das unsere ersten Gedanken nicht richtig sein können. Lasst uns genau hinschauen, und ruhig die Fragen stellen, die uns beim Lesen kommen. Denn ich denke, das hat Johannes beabsichtigt. 

In Vers 14 lesen wir, dass Johannes und die anderen Jünger Jesus Herrlichkeit angesehen haben. Lasst uns dazu die Stelle lesen, in der Mose die Herrlichkeit Gottes angesehen hat. Schlagt dazu  2. Mose 34 auf und lest die ersten sieben Verse. Danach schreibt auf, was euch bei dem Vergleich zwischen dieser Stelle und unseren Versen aus dem Johannesevangelium auffällt. 




Johannes hatte wahrscheinlich diese Stelle aus dem 2. Buch Mose im Hinterkopf, als er diese Verse in der Einleitung schrieb. Nachdem er nun schon festgehalten hat, dass Jesus (d.h. “das Wort”) Gott war, durch ihn alles geschaffen wurde, und er als Licht auf die Welt kam, fügt er nun noch die Herrlichkeit Gottes hinzu. Denkt einmal über dieses Zitat nach: “Die Herrlichkeit, die Moses offenbart wurde, als der Herr an ihm vorbeiging und seinen Namen ausrief, und dabei zeigte, dass göttliche Güte durch unbeschreibliche Gnade und Wahrheit charakterisiert ist, war genau dieselbe Herrlichkeit, die Johannes und seine Freunde in dem Fleisch-gewordenem-Wort sahen.” (“The glory revealed to Moses when the Lord passed in front of him and sounded his name, displaying that divine goodness characterised by ineffable grace and truth, was the very same glory John and his friends saw in the Word-made-flesh.”  D.A. Carson, The Gospel according to John, 1991, Seite 129)

Und wenn wir nun die Geschichte in 2. Mose 34 weiterlesen würden, würden wir sehen, wie Mose auf diese Herrlichkeit reagiert hat: “Da kniete Mose sich schnell nieder, neigte sein Gesicht zur Erde, betete den Herrn an." (2. Mose 34, 8: Neues Leben).
So vollkommen menschlich Jesus auch war, er strahlte doch Gottes Herrlichkeit aus. Etwas, das uns wie Mose auf die Knie bringen sollte, um Gott anzubeten. Eine Herrlichkeit, die wir wahrscheinlich erst vollkommen verstehen, wenn wir vor ihm stehen werden. Aber wenn wir uns die ganze Geschichte vor Augen halten und uns Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was diese Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit beinhaltet, können wir zumindest ein tieferes Verständnis dafür bekommen. 

Lies dazu auch Offenbarung 1, 12-18. Wie reagierte Johannes auf das, was er sah.




Johannes, der Jünger, der beim letzten Abendmahl neben Jesus saß, und der davor drei Jahre mit ihm unterwegs gewesen war. Er hatte Jesus als Freund, als Mensch kennen und lieben gelernt. Aber als er ihn als Gott vor ihm stehen sah, konnte auch er nicht anders als vor Ehrfurcht wie tot vor ihm auf die Erde zu fallen. Und beim Lesen des Evangeliums sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, wer Jesus ist. Mensch und Gott. Gott, der als Mensch auf die Erde kam.

Und warum kam er? Nicht nur, damit wir ihn alle anbeten, damit er seine Herrschaft für alle sichtbar ausübt - das wird noch kommen. Nein er kam, um uns zu beschenken. Er kam, damit wir die Gnade Gottes empfangen können (Vers 16). Jesus kam, um das, was Gott durch Moses und der Gesetzgebung am Berg Sinai angefangen hatte, mit dem Tod Jesus zu Ende zu bringen. Seine Gnade, sein Geschenk der Erlösung würde nun endlich das Problem beenden, dass wir alle haben, da wir das Gesetz aus eigner Kraft nicht einhalten können.  
Und er kam, um uns Gott zu zeigen. Denn mit Vers 18 schließt sich der Bögen zu Vers eins. Am Anfang haben wir gelesen, dass das Wort bei Gott war. Und nun sagt der letzte Vers: "der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht."(Elberfelder) Und meine Hoffnung ist es, dass wir ganz neu Gott tiefer durch das Leben Jesus kennenlernen, wenn wir nun die Zusammenfassung von Jesus Leben auf der Erde lesen werden.


Was für ein Mensch, dem Wind und Wellen gehorchen.
Was für ein Mensch, der auf dem Wasser geht.
Was für ein Mensch, der Wasser in Wein verwandelt,
Brot und Fisch vermehrt.

Was für ein Mensch, der die Gefangenen frei macht.
Was für ein Mensch, der selbst den Tod bezwingt.
Was für ein Mensch, der allen Armen und Schwachen
frohe Botschaft bringt.

Jesus, Erlöser der Welt.
Du bist Christus, der Fels der uns hält.
Gott ist mit uns, er selbst kommt zur Welt,
das Licht, das die Nacht erhellt.

Was für ein Gott, der zu uns kommt, um zu dienen.
Was für ein Gott, der klein wird, wie ein Kind.
Was für ein Gott, der alle Schuld dieser Erde
für uns auf sich nimmt.

Was für ein Gott, der mit uns sein neues Reich baut.
Was für ein Gott, der uns das Erbe gibt.
Was für ein Gott, der uns als Söhne und Töchter
Unbeschreiblich liebt.

Jesus, Erlöser der Welt.
Du bist Christus, der Fels der uns hält.
Gott ist mit uns, er selbst kommt zur Welt,
das Licht, das die Nacht erhellt.

Was für ein Mensch, Jesus.
Was für ein Gott, Jesus.


(Albert Frey)